Am 31.12.2020 habe ich zu meinem persönlichen Jahresabschluss und Silvesterlauf zum ersten Mal an einem Virtual Run teilgenommen. In 2020 haben das viele Läuferinnen und Läufer für sich entdeckt und immer mehr Veranstalter sind aus Mangel an Alternativen zu dieser Form des virtuellen Wettstreits übergegangen. Ich muss gestehen, dass ich dem Ganzen zunächst etwas skeptisch gegenüber war, ist es doch etwas ganz Anderes, als mit vielen anderen Athleten zusammen an der Startlinie zu stehen, vom Publikum angefeuert zu werden und sich dadurch zur individuellen Höchstleistung pushen zu lassen!

Doch als spätestens nach dem Abbruch der Challenge Davos (Bericht dazu folgt) klar war, dass es kein weiteres Rennen für mich mehr geben wird, überlegte ich es mir doch nochmal anders! Dank der Datev Challenge Roth und Challenge Women habe ich die Möglichkeit bekommen, am Dreams-cannot-be-cancelled Run teilzunehmen. Ein virtueller Silvesterlauf, bei dem die Teilnehmer selbst Ort, Zeit und Distanz ihres Wettbewerbs bestimmen. Zwischen dem 30.12. und dem 02.01. konnte man über die Distanzen 5km, 10km und 21,1km „an den Start“ gehen. Mit Hilfe einer App zeichnet dann jeder Athlet per GPS seinen Lauf auf und nimmt so automatisch am Wettbewerb teil.

Ich entschied mich für das Rennen über 10km. Für mich war der Lauf vor allem ein Formtest, nachdem ich in den letzten Monaten überwiegend im Grundlagenbereich und bei sehr niedrigem Puls trainiert habe. Ich war selbst sehr neugierig, wie mein Körper nach diesem Trainingsblock auf die plötzliche extreme Belastung reagieren würde und auch, wenn ich das vorher nicht gedacht hätte… Am Rennmorgen war ich irgendwie aufgeregt! Es war auf jeden Fall ein komisches Gefühl, keinem strikten Zeitplan zu folgen, da es ja keinen offiziellen Startschuss gab und ich loslaufen konnte, wann ich wollte.

Nachdem ich dann meinen Aufbruch lange genug hinausgezögert habe, schnürte ich mir die Laufschuhe, um das Rennen in Angriff zu nehmen! Trotz Nieselregen schwang sich mein Freund aufs Rad, um mich zu begleiten und das kann ich wirklich nur jedem empfehlen! Ob zu Fuß oder auf dem Rad – Begleitung hilft mir immer, mich noch besser zu quälen. Allein die mentale Unterstützung ist Gold wert. Zudem hatte ich damit auch noch jemanden, der vor mir die Spaziergänger aus dem Weg klingelte und mir ab und zu etwas zu trinken gereicht hat.

Nun zum Rennverlauf mit einem kleinen Gedankenprotokoll:

Kurz bevor ich den Timer startete gab es nochmal eine ordentliche Portion Renneuphorie! Es fühlte sich tatsächlich fast wie eine richtige Wettkampfsituation an, die ich aber diesmal selbst in der Hand hatte! Und dann ging es auch schon los! Feuer frei für „10km alles was geht“!

KM 1: Ich fühle mich echt gut! Heute geht bestimmt was! Das fühlt sich ja wirklich leicht an und macht echt Spaß! (klassischer Anfängerfehler!)

KM 3: Puuhh okay jetzt wird’s aber anstrengend. Sollen sich nicht eigentlich die ersten 5km noch leicht anfühlen? Keine Ahnung, ob ich so noch 7km laufen kann. Mist! – wohl doch nicht so einfach wie gedacht.

KM 5: Ich versuche mein Tempo so gut es geht zu halten und die nächsten km ohne viel Nachdenken über mich ergehen zu lassen. Ich habe mich mittlerweile gedanklich wieder gefangen und das gute Zureden von meiner Radbegleitung hilft mir, mich Schritt für Schritt vor zu arbeiten. Nach so langer Zeit ohne Wettkämpfe gar nicht so leicht dieser durchgehend hohen Puls zu ertragen! 😀

KM 8: Okay, jetzt nochmal die Arschbacken zusammenkneifen! Bald ist es geschafft! Zieh nochmal das Tempo an! 80% geschafft (Ja, ich rechne gerne beim Laufen und am liebsten in % – macht meine Mitmenschen gerne mal wahnsinnig).

KM 9: So, jetzt aber wirklich fast geschafft! Noch 2,5 Stadionrunden (Ja, zusätzlich zähle ich gerne in verbleibenden Stadionrunden – das mag es für den ein oder anderen noch schlimmer machen. Mir hilft‘s! :-D)

KM 10: Die Uhr piepst zum erlösenden 10. Mal: à Uhr stoppen à Schnappatmung à klar kommen à durchatmen und dann der Blick auf die Uhr bzw. die Timing App. à 50min 35sek!

Damit hätte ich nicht gerechnet, war ich mir vor dem Lauf doch sicher, auf gar keinen Fall unter 50min laufen zu können. War ja doch gar nicht so weit davon entfernt – und das ganz ohne Vorbereitung. 😊

Abschließend bin ich sehr zufrieden mit meinem Lauf und auch mit der Virtual Run Erfahrung! Natürlich ist dieses Format keine echte Alternative zum wirklichen Wettkampfgeschehen aber eine tolle Möglichkeit, das Beste aus den Beschränkungen zu machen und auch wenn ich hoffe, dass wir in 2021 nicht mehr lange auf diese Variante zurückgreifen müssen, würde ich auf jeden Fall nochmal an so einem Lauf teilnehmen.