Nach meiner 9 monatigen Vorbereitung zu meiner ersten Mitteldistanz ging das Abendteuer endlich los und wir machten uns auf den Weg nach Schweden zum Ironman 70.3 Jönköping.

Eins kann ich dir sagen, am Rennmorgen war ich sowas von aufgeregt!! Wir hatten uns eine Ferienwohnung gebucht, damit wir unsere Abläufe alle selbst bestimmen konnten und so haben wir ein kurzes Frühstück zu uns genommen (auch wenn ich kaum etwas runter bekommen habe). Und dann hat es nochmal gefühlt eine Ewigkeit gedauert, bis wir endlich los gefahren sind. Der Ironman 70.3 Jönköping konnte kommen.

Nachdem ich in der Wechselzone alles eingerichtet hatte (und das natürlich noch mindestens 3 Mal überprüft und mir die Laufwege nochmal angesehen habe) ging es dann Richtung Startbereich. Die Atmosphäre auf dem ganzen Areal war wirklich toll. Natürlich hat man die Anspannung aller Athleten gespürt, aber trotzdem war niemand verbissen oder in irgendeiner Weise negativ aufgekratzt. Als dann endlich die schwedische Nationalhymne gesungen und der Startschuss gefallen war, stand ich etwas hilflos und gefühlt alleine zwischen all diesen Athleten und wartete nur noch darauf, endlich ins Wasser zu dürfen. Wie mittlerweile in den meisten Rennen dieser Größe gab es auch hier einen Rolling Start und alle 6 Sekunden wurden 6 Athleten ins Wasser gelassen.

Aus dem Wasser und ab Richtung T1

Das Schwimmen verlief relativ unspektakulär. Ich glaube, ich bin an diesem Tag zum ersten mal 1,9km tatsächlich komplett am Stück geschwommen und das kam mir dann doch länger vor als erwartet 😀 !! Ich erinnere mich noch gut an einen Zwischenfall im Wasser, bei dem mich ein anderer Athlet, der schon einige Zeit neben mir schwamm, plötzlich am Kopf packte und zur Seite drückte. Wir waren uns vorher nicht in die Quere gekommen und ich war ehrlich gesagt ziemlich schockiert über das Verhalten, weil mir so etwas vorher noch nie passiert war. Das sollte zum Glück die einzige negative Erfahrung an diesem Tag sein.

Übrigens: Der Weg aus dem Wasser zur ersten Wechselzone ist einfach nur eins: WEIT! Ca. 800m über mit Teppich abgedecktes Kopfsteinpflaster… Prost Mahlzeit!

Mein Happy-Face auf dem Rad! So schön die Strecke!!

Das Radfahren habe ich einfach nur total genossen!! Die Landschaft war unglaublich schön und in fast jedem der kleinen Dörfer, durch die die Strecke führte, standen Menschen am Straßenrand und haben uns zugejubelt! Relativ am Anfang gab es einen Anstieg, der aber super zu fahren war und der Rest war ein Traum dessen, was man „Rolling Hills“ nennt. Allein dafür lohnt es sich, den weiten Weg nach Schweden auf sich zu nehmen, um an diesem Rennen teilzunehmen. Die Zeit ging so schnell rum und ich war gegen Ende sogar schneller als erwartet, weswegen ich ein bisschen Druck rausgenommen habe, um noch mehr Kraft für den abschließenden Halbmarathon zu haben.

Ein letztes Mal die Zähne zusammenbeißen – Endlich geschafft!!

Der Lauf wurde zu einer tatsächlichen Geduldsprobe und war einfach das anstrengendste, was ich bis dato erlebt hatte!! Es ging in drei Runden um den See in Jönköping, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Ein paar ganz kurze Hügel waren auf der Strecke eingebaut. Die kamen mir auf der ersten Runde schon wie echte Berge vor, die von Runde zu Runde steiler, länger und härter wurden. Ich musste oft gehen und fragte mich: Wozu das alles hier eigentlich?? – Klassiker! Oft habe ich daran gedacht, einfach aufzuhören. Aber als ich dann nach langen 5H50min endlich ins Ziel kam, war ich heilfroh, total erleichtert und durchflutet von Glücksgefühlen!!! Ich hab es tatsächlich geschafft! Da waren alle negativen Gedanken sofort vergessen und ich wusste: Das mache ich nochmal!!

Der krönende Abschluss dieses Tages kam allerdings erst noch. Mehr aus Neugier, wie das Ganze so ablaufen würde, gingen wir zur Award Ceremony. Ich hatte keinerlei persönliche Ambitionen. Ich wurde damals 6. in meiner Altersklasse, aber zumindest teilnehmen an der Siegerehrung wollte ich gerne. Zum Glück hatten meine Begleiter mich ein bisschen vorbereitet und mich gefragt, was ich denn tun würde, wenn ich einen Startplatz für die WM bekommen würde… Ich habe das mit einem Lachen abgetan – war es doch SEHR unrealistisch! Allerdings habe ich dann geantwortet: Wenn der Startplatz für die WM im nächsten Jahr (also 2018) ist, dann nehme ich ihn! Nach der Siegerehrung folgte dann sie Slot Allocation und bald kam auch schon meine Altersklasse (damals 18-24) dran. Hier gab es (wie so oft in der AK18-24) nur einen Slot und sie wurden tatsächlich für die WM im darauffolgenden Jahr für Südafrika vergeben, was bestimmt auch einer der Gründe dafür war, dass direkt die drei Podiumsplatzierten meiner AK den Platz ablehnten. Es wurde also tatsächlich spannend. Als dann noch die 4. Mit „No“ antwortete wurde ich richtig nervös und bekam schwitzige Hände. Die 5. platzierte wurde aufgerufen … nichts geschah… ein zweites Mal ihr Name … keine Reaktion… und dann war es passiert. Entweder war sie tatsächlich nicht anwesend, oder wollte den Slot nicht auf jeden Fall rollte er weiter auf Platz 6 – meinen Platz!!! – Sieh dir selbst das Video von diesem mega Moment an!

Mein absoluter Gänsehaut Moment 2017!!!

Bis heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment denke! Es war so surreal, so toll, so einzigartig! Eine mega Chance und ein Erlebnis, dass da auf mich zu kam, dass ich einfach nicht ablehnen konnte! Ich sagte Ja!

Ich bin dabei: Ironman 70.3 World Championships 2018 (Port Elizabeth)