Wie der Weg an die Startlinie zu meiner ersten 70.3 WM aussah, hast du vielleicht schon in meinem vorherigen Bericht gelesen. Hier erzähle ich dir nun, was nach dem Start passierte. Gegen 9:20 Uhr (mehr als 2h nach dem Start der Profi Frauen) ging auch für mich die Reise los. Vor dem Rennen habe ich mir nicht wirklich über die ortsansässigen Haie im Wasser Gedanken gemacht. Doch auf den ersten Metern, die mich vom Strand wegführten, kam der Gedanke dann doch wieder und ein mulmiges Gefühl stellte sich ein: zum Glück war ich nicht eine der ersten heute Morgen, die hier raus geschwommen war! 😀

Die Altersklasse 18-24 startete fast am Ende des Feldes, weshalb das Schwimmen für mich zu einem Slalom Akt wurde, bei dem ich gegen Ende sogar Athleten aus bis zu 3 vorherigen Startfeldern einholte. Oftmals kann ich das Schwimmen im Triathlon nicht wirklich genießen. Es ist zwar aufgrund meiner Schwimmer-Vergangenheit mit Abstand meine stärkste Disziplin, jedoch weiß ich, was alles noch vor mir liegt. Ich kann mich daher schwer zu diesem Zeitpunkt des Rennens wirklich auf das Schwimmen konzentrieren und will meistens nur, dass es vorbei ist. Nicht jedoch an diesem Tag! Der 70.3 in Südafrika ist vermutlich bislang das einzige Rennen, bei dem ich das Schwimmen wirklich genossen habe! Ich habe mich einfach auf alles was noch kam einfach nur gefreut!

Auf dem Weg zur Wechselzone 1 machte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit sogenannten „Wetsuit Peelern“. In der Wettkampfbesprechung bereits angesprochen, konnte man sich kurz vor dem Eingang zur Wechselzone aus dem Neoprenanzug helfen lassen. Im Spalier standen dazu Helfer/innen an den Seiten, zu denen man gehen und sich vor ihnen auf den Boden legen konnte. Zu zweit zogen sie dann in einem Schwung den Anzug vom Körper – so schnell bin ich definitiv noch nie aus meinem Neo gekommen – coole Sache!

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Mein Rad hatte ich schnell gefunden und schon ging die wilde Fahrt los. Unter den lautesten Anfeuerungsrufen, die diese Welt jemals gehört hat (Danke Lisa!) ging es für mich auf die Strecke! Die umstehenden Zuschauer/innen müssen gedacht haben, ich sei auf dem Weg, mir den Titel zu holen! Die ersten 15km ging es stetig leicht bergauf, aber auch hier überholte ich aufgrund der Altersklassenverteilung viele Athletinnen. Was für ein Wahnsinnsgefühl! Das passiert mir sonst nicht – auf dem Rad werde meistens nur ich überholt! Total beflügelt und damals noch ohne Wattmessung spulte ich die ersten Kilometer ab. Wirklich schnell war das allerdings nicht. Denn auf der ersten Hälfte der Strecke gab es einen stetigen kräftigen Gegenwind.

Am Wendepunkt dann die erste Ernüchterung auf dem Tacho! Nur knapp 25km/h Durchschnittsgeschwindigkeit! So hatte ich mir das nicht vorgestellt – das wird wohl ein langer Tag! Zum Glück drehte der Wind nicht und ich konnte auf dem Rückweg Richtung Stadt nicht nur den Ausblick an der Küste, sondern auch eine ordentliche Portion Rückenwind genießen! Ich hätte nicht gedacht, dass es noch für einen Schnitt knapp unter 30km/h reichen würde, aber ich kam tatsächlich nach 3:00:51h vom Rad (knapp daneben ist auch vorbei).

Die Atmosphäre bei der Ankunft in der zweiten Wechselzone war gigantisch. Da in unmittelbarer Nähe auch das Ziel war, waren viele Menschen, eine Band und Musik über große Lautsprecher da, um die Stimmung anzuheizen. Beim Abstieg wurde mir das Rad von Helfer/innen abgenommen und ich konnte direkt zu meinem Laufbeutel. Die ersten Schritte fühlten sich wie immer sehr unsicher und ungewohnt an, aber beflügelt von der Atmosphäre und den Menschenmassen rannte ich den ersten Kilometer in 4:05 min. Okay, das war nun wirklich viel zu schnell und ich musste mich sehr bremsen! Es langen noch 20km vor mir – 2 Runden mit jeweils 2 Anstiegen, die ich zu bewältigen hatte.

Meine Eltern und Lisa hatten sich an dieser Runde gut verteilt, um mich an möglichst vielen Punkten zu sehen und unterstützen zu können und ich freute mich jedes Mal riesig, an ihnen vorbei zu laufen. Natürlich wurden die Beine immer schwerer, aber es war bei weitem nicht so schlimm wie bei meinen 2 vorherigen Mitteldistanzen. So sollte die 70.3 WM die erste Mitteldistanz werden, bei der ich im abschließenden Halbmarathon nicht gehen musste! Das hat mich persönlich sehr gefreut! Im Ziel war ich fix und fertig! Rundum glücklich und zufrieden! Ich habe den Tag wirklich genossen, trotz, dass ich an meine Grenzen gegangen bin. Der Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich meine bisherige Bestzeit um 10 Minuten unterboten hatte! Ein voller Erfolg!

Beim Gedanken an diesen Tag bekomme ich immer noch Gänsehaut. Das Lied, dass ich am Rennmorgen beim Aufwachen und auf dem Weg zum Eventgelände hörte, ist bis heute meine Motivationsquelle und ich höre es nur zu besonderen Anlässen im Training oder vor Wettkämpfen, damit es seine Wirkung nicht verliert. Den Tag haben wir mit Burgern und Cocktails ausklingen lassen. Ich bin so dankbar und froh, dieses Erlebnis mit den wichtigsten Menschen meines Lebens geteilt zu haben und danach einen unvergesslichen Urlaub in Südafrika verbracht zu haben. Dass dieses Event und meine sportliche Leistung im nächsten Jahr noch getoppt werden sollte, ahnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht!

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