Die Vorbereitung auf meine erste Ironman 70.3 Weltmeisterschaft kam mir unendlich lang vor. Noch nie hatte ich einen Saisonhöhepunkt so spät im Jahr (nämlich im September). So fiel es mir zwischenzeitlich wirklich schwer, die Motivation für das tägliche Training aufrecht zu erhalten, vor allem nachdem so langsam alle anderen Wettkämpfe vorüber waren und auch die Athleten in meinem Umfeld in die Saisonpause gingen oder beispielsweise das Schwimmtraining nicht mehr ganz so ernst nahmen. Ich war wirklich froh, als ich die letzte harte Einheit absolviert hatte und die Tapering Phase (die letzten 1-2 Wochen mit deutlich weniger Trainingsumfang) und damit auch das große Packen für die spannende Reise nach Südafrika begann.

Abflug! Wir sind bereit - es kann los gehen!

Meine Eltern und meine beste Freundin Lisa begleiteten mich zum Rennen nach Südafrika und wir verbanden das Event direkt mit einem dreiwöchigen Urlaub – der Flug sollte sich schließlich lohnen! Eine Woche vor dem Rennen flogen wir also Richtung Süden und als ich das Eventgelände in Port Elisabeth zum ersten Mal betrat, merkte ich direkt die ganz besondere Atmosphäre und die positive Anspannung aller Athlet*innen.

Wir hatten ein Ferienhaus etwas abseits von der Stadt gemietet, was rückblickend genau die richtige Entscheidung war. So konnte ich dem Trubel rund um die Weltmeisterschaft entgehen und abschalten, wenn ich wollte. Gleichzeitig befand sich das Haus direkt an der Radstrecke und ich konnte während meiner letzten Trainingseinheiten in Ruhe die Strecke erkunden. Hier wurde auch gleich eine Herausforderung der Strecke bemerkbar. Denn die Küste Südafrikas ist sehr windig! Kurz vor dem Rennen musste ich sogar meine letzte Radeinheit aussetzen. Es war so windig, dass es zu gefährlich gewesen wäre und ich wollte so kurz vor dem Rennen nichts riskieren! Hoffentlich wird es am Renntag anders!

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2 Tage vor dem Rennen fand dann in gewohnter Manier das Race-Briefing statt, was rückblickend das bislang chaotischste und unkoordinierteste Briefing meines Lebens war! Ich ging zur deutschen Besprechung, die aber mangels Personals zu Beginn doch auf Englisch stattfand. Darüber wurde sich dann lauthals beschwert, woraufhin jemand übernahm, der zwar relativ gut deutsch sprechen konnte, jedoch nicht wirklich viel vom Triathlon verstand. Das war wirklich unglücklich und um ehrlich zu sein, hatte ich da vor allem von einer Weltmeisterschaft irgendwie anderes erwartet. Zum Ende der Veranstaltungen waren zumindest alle meine Fragen geklärt.

Trotz anders lautender StVO würde im Rennen Rechtsverkehr herrschen (in Südafrika wird normalerweise Links gefahren), die Startnummer musste auf dem Rad nicht getragen werden und (besonders beruhigend: ) alle in der Bucht ansässigen Haie seien gechipt und daher wäre die Gefahr eines Haiangriffs während des Rennens relativ gering – sind ja auch grundsätzlich scheue Tiere. WOW! Was für eine Erleichterung…

Beim Check-In am nächsten Tag fand ich mich dann in der bis dato größten und gleichzeitig leersten Wechselzone wider. Bei der 70.3 WM wird seit einigen Jahren das Frauen- und das Männerrennen an aufeinanderfolgenden Tagen ausgetragen. Das hatte zur Folge, dass ausschließlich Frauen an diesem Tag in die Wechselzone eincheckten. Da bei Qualifikationsrennen aufgrund des Teilnehmerfeldes immer mehr Männer als Frauen Plätze für die WM erhalten, sind in der Regel bei Weltmeisterschaften doppelt so viele Männer wie Frauen am Start. Die Wechselzone war also an diesem Tag zur Hälfte leer! Ein ungewohntes Bild, aber ich freute mich sehr auf mein erstes Women-only Rennen! Am Abend vor dem Rennen gab es dann die obligatorische Pasta Bolognese für mich und ich ging sehr aufgewühlt und gespannt schlafen.

Der Wecker am nächsten Morgen ging um 4:30 Uhr! Ich war sofort hellwach und absolut bereit! Ich war aufgeregt und voller Vorfreude auf das Rennen! Ich hatte keine Ambitionen für eine bestimmte Platzierung in meiner Altersklasse. Natürlich war es mein Ziel, im Rennen mein Bestes zu geben, aber mir war mehr als bewusst, dass das Highlight alleine schon die Teilnahme an der Weltmeisterschaft darstellte und ich den Tag (so gut es denn ging) genießen wollte! Mit dem passenden Song auf den Ohren ging es dann mit dem Auto zum Start! Ich bin wirklich froh und dankbar meine Eltern und Lisa dabei gehabt zu haben. Auch wenn sie selbst aufgeregt waren, haben sie sich das nicht anmerken lassen. Sie waren schon oft bei Rennen von mir dabei und wissen, was ich brauche und wie sie mich am besten unterstützen und entlasten können.

Ich musste bis 7 Uhr alle Vorbereitungen in der Wechselzone abgeschlossen haben denn schon kurz darauf fand der Start der Profi Frauen statt. Bei der 70.3 WM wird nach Altersklassengruppen gestartet, deren Reihenfolge im Vorfeld bekannt gegeben wird. Zudem gibt es innerhalb der Altersklassen einen Rolling Start und alle paar Sekunden wird nur eine bestimmte Anzahl Athlet*innen ins Wasser gelassen, um das Starter*innenfeld zu entzerren. Meine Altersklasse war an diesem Tag die vorletzte… Genug Zeit also, das Spektakel zu beobachten, nicht zu wissen, wie man die 2h bis zum Start überbrücken sollte und sich von der Aufregung anstecken zu lassen… und dann war er da: mein erster Start bei einer Ironman 70.3 Weltmeisterschaft (Stay tuned 😉 )

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